Leipziger Typotage 2005

8. bis 10. Juli 2005: Schriftdesign und Typografie »Made in DDR«


Auf den TypoTagen 2004 – dem Schriftenfest anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Gesellschaft zur Förderung der Druckkunst Leipzig e.V. – zeigte sich, dass großes Interesse an den Arbeiten der Schriftgestalter und Typografen der DDR besteht. Das Thema der TypoTage 2005 lautete deshalb folgerichtig Schriftdesign und Typografie »Made in DDR«. Man wollte unter anderem auch etwas Licht in die Geheimnisse um das Erbe der Firma Typoart, dem Zusammenschluss der Firmen Butter in Dresden und Schelter & Giesecke in Leipzig, bringen. Während die früheren TypoTage von Eckehart SchumacherGebler geleitet wurden, übernahm Moderation und künstlerische Leitung diesmal Rayan Abdullah – Professor für Typografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Seinem Ruf folgten viele Typografen und Schriftgestalter in das Druckkunst-Museum.
Rückblick:
Auf den TypoTagen 2004 – dem Schriftenfest anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Gesellschaft zur Förderung der Druckkunst Leipzig e.V. – zeigte sich, dass großes Interesse an den Arbeiten der Schriftgestalter und Typografen der DDR besteht. Das Thema der TypoTage 2005 lautete deshalb folgerichtig Schriftdesign und Typografie »Made in DDR«. Man wollte unter anderem auch etwas Licht in die Geheimnisse um das Erbe der Firma Typoart, dem Zusammenschluss der Firmen Butter in Dresden und Schelter & Giesecke in Leipzig, bringen. Während die früheren TypoTage von Eckehart SchumacherGebler geleitet wurden, übernahm Moderation und künstlerische Leitung diesmal Rayan Abdullah – Professor für Typografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Seinem Ruf folgten viele Typografen und Schriftgestalter in das Druckkunst-Museum.

Wie schon seit Jahren gewohnt, begannen die TypoTage am Freitag, dem 8. Juli mit der Mitgliederversammlung der Fördergesellschaft. Prof. Axel Bertram eröffnete die Reihe der Referate am Samstag mit seinem Festvortrag Schriften in der DDR.

Er vermittelte einen einleitenden Überblick über Schriftgestaltung und Typografie und führte die Zuhörer im Zeitraffer durch die Geschichte. Anschließend berichteten bekannte Typografen der DDR (u.a. Prof. Walter Schiller) über ihre Lebenswerke und zeigten zahlreiche Anwendungsbeispiele von Schrift- und Buchgestaltung in der DDR. Sowohl das Arbeiten mit Schrift, als auch deren Gestaltung und Herstellung unterlag sehr hohen Anforderungen.

Davon sprachen die beiden Schriftschneider Peter Simon und Helmut Wattler, die spannen-de Anekdoten aus ihrem Berufsleben preisgaben. Nicht Masse an Schriften, sondern deren Qualität war das Ziel im Hause Typoart.

Das diesjährige Thema »Made in DDR« wurde bewusst auch gewählt, um Informationen über das Erbe von Typoart zu sammeln und um über mögliche Lösungen der damit verbundenen Probleme nachzudenken. Als der Schriftgestalter Erhard Kaiser verlauten ließ, er wisse aus sicherer Quelle, die digitalen Daten von Typoart seien nicht nur in Leipzig, sondern sie befänden sich sogar im Druckkunst-Museum..., kam der Stein ins Rollen. Nun wurde das Wissen über das Erbe von Typoart offen zusammengetragen.

Im Jahre 1991 erwarb Karl Holzer die Typoart GmbH von der Treuhand-Anstalt und kam damit außer in den Besitz der Immobilien, Maschinen und wertvollen Bestände auch in den Besitz der Rechte an den Schriften von Typoart. Holzer stellte die Produktion der Schriften nach der Übernahme fast vollständig ein, da er lediglich an den Immobilienwerten interessiert war. Als die Firma in Konkurs ging, ließen die Insolvenzverwalter und Banken die Immobilien räumen, da sie wie Holzer den ideellen Wert der Schriften und Produktionsmittel nicht erkannten. Ehemaligen Mitarbeitern von Typoart, die zum Teil im Satzstudio von SchumacherGebler in Dresden arbeiteten, ist es zu verdanen, dass bei der Beräumung der Gebäude nicht alle Matrizen, Originalzeichnungen und Digitalmaterialien vernichtet wurden, sondern teilweise gesichert werden konnten.

Die digitalen Daten, sollten sie je wieder aufgefunden werden, können ohne Konvertierung in ein heute gängiges Format nicht genutzt werden, da Typoart das Fontformat IKARUS nutzte. Deshalb wurde darüber diskutiert, ob man die Schriften nicht nach den alten Vor-lagen neu digitalisieren solle, womit man auch eventuelle nutzungsrechtliche Unklarheiten umgehen könne. Obwohl Holzer nicht auffindbar ist, besitze er weiterhin die Nutzungsrechte an den Schriften, was die Verwertung und Vermarktung der Schriften anscheinend behindert.

Die eigentlichen Gestalter der Schriften gehen leer aus. So berichtete zum Beispiel Karl-Heinz Lange, dass er seine Minima von Herrn Holzer in digitaler Form bekommen hat. Er darf sie benutzen, aber nicht verkaufen. Dass es Typoart-Schriften teilweise in digitaler Form gibt, konnte auch Prof. Gert Wunderlich bestätigen, der von Herrn Holzer die hochschulinternen Nutzungsrechte für einige Schriften kaufen konnte. Damit ist der Rückschluss zulässig, dass zumindest einige der Daten erst einmal gesichert sind – eine tolle Information.

Es wurde heiß darüber diskutiert, wie die (jeweils eigenen) Schriften überleben können. Vermutlich wird nur die Zusammenarbeit der betroffenen Schriftgestalter den notwendigen Aufwand rechtfertigen. Wichtiges Ergebnis der TypoTage 2005 ist, dass über die Möglichkeiten der Rettung der Typoart-Schriften nachgedacht und erste Lösungsvorschläge ersonnen wurden.


Schriftentwerfer und Typografen:
Prof. Axel Bertram
Barbara Cain
Verena Gerlach
Prof. Matthias Gubig
Thomas Hoffmann
Erhard Kaiser
Prof. Volker Küster
Angelika Kuhrt
Karl-Heinz Lange
Klaus Rahm
Ole Schäfer
Prof. Walter Schiller
Norbert du Vinage
Hans - Jürgen Willuhn
Prof. Gert Wunderlich

Moderation:
Prof. Rayan Abdullah

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