Schriften

Seinen besonderen Rang verdankt das Museum seiner einzigartigen Sammlung von europäischen und orientalischen Gußmatrizen, Schriftschablonen, kunstvoll gefertigten Stahlstempeln und Bleilettern. Im internationalen Vergleich können nur wenige Institute ähnliche Bestände aufweisen. Zu den wertvollsten unter den exotischen Schriften zählen Hieroglyphen, Chinesisch, Keilschriften, Runen u. a. geheimnisvolle Zeichensätze.
Das europäische Schriftschaffen ist durch so renommierte Stempelschneider oder Schriftkünstler wie zum Beispiel Johann Christian Bauer, Lucian Bernhard, Johann Vinzenz Cissarz, Fritz Helmut Ehmcke, Jakob Erbar, Joseph Gillé, Heinrich Jost, Albert Kapr, Friedrich Wilhelm Kleukens, Joseph Mole, Paul Renner, Joseph K. Sattler, Georg Schiller, F. H. Ernst Schneidler, Heinrich Wieynck u. v. a. vertreten.

Besondere Beachtung verdienen die vielen Matrizen zahlreicher gebrochener Schriften, darunter die Manuskript-Gotisch, Frakturschriften von Johann Friedrich Unger, Johann Gottlob Immanuel Breitkopf und die Zentenar-Fraktur von F. H. Ernst Schneidler. Zu den ältesten Abschlägen des Museums, vermutlich die ältesten in Deutschland überhaupt, zählen ein Satz von Jakob Sabon von 1572 sowie Original-Matrizen der Alten Schwabacher, die ebenfalls aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammen.

Anmerkung zu den ersten vier Bildern:

Die Typen sind spiegelverkehrt dargestellt, da sie sich so dem Betrachter leichter erschließen. Für eine korrekte Darstellung würden sie "auf dem Kopf" stehen.

 

 

Digitalisierung

Damit die Schätze des Museums nicht dauerhaft im Verborgenen bleiben, hat das Museum Ende 2008 ein Digitalisierungsprojekt gestartet. Am 15. Mai 2009 wurde das Ergebnis des ersten Projekts vorgestellt. Ausgewählt wurde die Schrift Kristall Grotesk, die durch Elsner+Flake Type Consulting GmbH als digitale Replik erstellt und nun erworben werden kann. Die Verwendungsrechte an der Schrift besitzt das Museum für Druckkunst Leipzig, der Vertrieb erfolgt über den Online-Shop der Elsner+Flake Type Consulting GmbH unter www.fonts4ever.com.

 

Die digitale Umsetzung wurde bewusst als Replik angelegt, um eine möglichst werktreue Wiedergabe als Ausgangsbasis für den Entwurf weiterer Designgrößen zu schaffen. Neben den Garnituren mager (Light), halbfett (Medium), halbfett Kursiv und fett (Bold) verfügt die Kristall Grotesk noch über eine eng halbfette und schmalfette Garnitur. Zur Erweiterung der verfügbaren Garnituren entstand zusätzlich die Kristall Grotesk Now als Redesign der Kristall Grotesk, die auf die ursprüngliche Anmutung der Kristall zurückgreift. Die Kristall Grotesk Now ist in zahlreichen Garnituren erhältlich.

 

Bei der Schriftfamilie Kristall Grotesk handelt es sich um einen so genannten »Hausschnitt« der Stempelschneiderei Wagner & Schmidt, Leipzig. Ursprünglich erschienen Schnitte dieses Designs im Laufe der 30er Jahre mit dem Namen Polar unter anderem bei der Schriftgießerei J. John Söhne. Ende der 30er Jahre brachte die Norddeutsche Schriftgießerei GmbH, Berlin, die Kristall Grotesk mit erweiterter Schnittanzahl heraus und die Schrift war bis Anfang der 70er Jahre über den Lettern Service Ingolstadt erhältlich.

 

Seit Mai 2011 findet die Kristall Grotesk im Leipziger Stadtraum Anwendung. Die Straßenschilder der neuen Kulturwegweisung „Westkultur“ wurden in der Kristall Grotesk gesetzt. Sie weisen in Anlehnung an das allgemeine touristische Wegeleitsystem in den Farben weiß und braun auf acht verschiedene kulturelle Institutionen im Leipziger Westen hin. Die Anwendung dieser originären Leipziger Schrift im öffentlichen Raum ist ein besonderer Hinweis auf die historische Bedeutung Leipzigs als Ort der Schriftgestaltung und -herstellung mit einer über 100jährigen Tradition.

 

Zu den Beispielen der Kristall Grotesk und Kristall Now »

 

KristallGrotesk
"Westkultur"-Hinweisschild für das Museum für Druckkunst, Standort Karl Heine/Nonnenstraße